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MUSTANG STORIES
Nicht die Perfekten Stories- sondern die Echten
Der Mythos Mustang
Von Freiheit und Wildnis zur Realität hinter dem Handel
Wenn du an einen Mustang denkst, denkst du wahrscheinlich an Freiheit, Wildnis, Abenteuer und ein unberührtes Wildpferd. Doch genau hier beginnt oft ein großes Missverständnis.
Die meisten Mustangs, die heute nach Europa importiert werden, sind Pferde mit einem hohen Preis und einer großen Geschichte rund um den Mythos „Mustang“. Was jedoch häufig fehlt, ist das Wildpferd selbst sowie Transparenz über ihre Herkunft und ihr tatsächliches Vorleben.
Der Begriff „Mustang“ stammt aus dem Spanischen (mesteño / mestengo) und bedeutet sinngemäß ein herrenloses oder frei lebendes Pferd. Es ist keine Rasse, sondern eine Bezeichnung für verwilderte Hauspferde. Die heutigen Mustangs Nordamerikas gehen auf Pferde zurück, die ursprünglich von spanischen Kolonialpferden abstammen und später in die Wildnis entkommen sind. Ähnliche verwilderte Pferdepopulationen gibt es auch in anderen Teilen der Welt, etwa in Australien (Brumbies) oder Südamerika – dort werden sie jedoch nicht als Mustangs bezeichnet. In Kanada werden sie häufig einfach nur „Wild Horses“ oder „Wildies“ genannt.
In den Auffangstationen (Holding Facilities) leben diese Pferde längst nicht mehr in natürlichen Herdenstrukturen. Manche werden dort sogar geboren, und viele bereits als Jährlinge oder Jungpferde eingefangen.
In freier Wildbahn hingegen wachsen Mustangs in stabilen Familienverbänden auf – mit einem Hengst, mehreren Stuten sowie Fohlen und Jungpferden. Die jungen Hengste werden später aus der Herde vertrieben und müssen ihren eigenen Platz finden. Genau diese Zeit formt ein echtes Wildpferd.
Ein echter Mustang ist ein Pferd, das diese natürliche Entwicklung in Freiheit tatsächlich erleben durfte. Früh eingefangene Pferde stammen zwar aus Wildpferdelinien, hatten jedoch nicht die Möglichkeit, ihre natürlichen Instinkte, sozialen Fähigkeiten und Sinne vollständig in einer intakten Herdengemeinschaft auszubilden. Dazu kommt, dass junge oder kranke Pferde, die in der Wildnis möglicherweise nicht überlebt hätten, nun in den Auffangstationen auf eine Adoption warten.
Das bedeutet nicht, dass diese Pferde krank sind. Es bedeutet nur, dass einige von ihnen kein echtes Wildleben erfahren haben und schlicht nach Aussehen adoptiert werden – lange Mähne, ungewöhnliche Farbe – ohne das Pferd dahinter und das, was es mit sich bringt, wirklich zu sehen.
Probleme starten oft kurz darauf – durch fehlende Trainingserfahrung, viel zu frühes Anreiten, Fütterung oder die Art, wie sie gehalten werden. Sie wechseln Trainer und Besitzer, manche kommen zurück in die Holding Facility und manche enden im Schlachthof.
Mir ist einfach wichtig, ehrlich darüber zu sprechen, was du eigentlich kaufst. Oft unterscheiden sich Mustangs am Ende kaum von einem Pferd, das du auch hier finden könntest – außer durch die Kosten die sie mit sich bringen.
Für mich ist (m)ein Mustang ein ganz besonderes Pferd, und alles, was schiefgeht, ist meine Verantwortung. Es wird ein Mitglied meiner Herde und bekommt eine passende Aufgabe – ein Pferd, bei dem noch alles offen ist. Kaufe ich einen Mustang mit einer Geschichte, dann möchte ich sie kennen!
Und dann stellt sich grundsätzlich die Frage, ob du die Zeit, Erfahrung und die finanziellen Mittel hast, um dir einen Mustang zu kaufen und ihn dir weiter leisten zu können. Hast du den Platz – denn Boxen- oder Paddockhaltung ist nicht artgerecht? Kommt er in eine faire Herdenstruktur – und damit meine ich nicht Mini-Shettys oder Esel? Musst du noch weiter für einen Trainer bezahlen? Und natürlich die laufenden Kosten...
Gleichzeitig solltest du wissen: Ein Mustang, der bereits nach Europa importiert wurde, hatte schon seine erste Ausbildung bei einem Trainer – und davon gibt es mehr schlechte als gute. Er ist nicht mehr „untouched“ – und du hast möglicherweise ein 500-Kilo-plus-Problem. Auch die Mustang-Makeover-Pferde wurden nicht direkt von der Auffangstation nach Frankfurt geflogen. Was weißt du wirklich über das Pferd, das du für einen steilen Preis ersteigern willst?
Wirklich von Anfang an dabei zu sein und genau zu wissen, was du bekommst, ist nur möglich, wenn du ein Wildpferd direkt aus einer Auffangstation übernimmst, mit der Dokumentation, wann und wo es eingefangen wurde, und ihr den Weg von dort an gemeinsam geht mit einem guten Trainer!
Ich weiß heute sehr genau, worauf ich mich einlasse, wenn ich einen Mustang kaufe. Das war nicht immer so. Am Anfang habe ich selbst Fehler gemacht und unglaublich viel gelernt. Das Abenteuer Mustang ist in meiner Erfahrung alles andere als romantisch – und genau deshalb ist Ehrlichkeit für mich so wichtig geworden.
Was den Unterschied bei Ride the Brand ausmacht, ist absolute Transparenz. Es werden ausschließlich echte Mustangs ausgewählt – gemeinsam mit dir und erfahrenen Mustang-Trainern vor Ort in den USA und immer im Sinne des Pferdes.
Gleichzeitig entwickelt sich unser Projekt weiter: Wir erweitern unser Arizona-Programm nach Portugal. Meine eigenen Mustangs werden künftig auf der Rancho Terra Bravo leben. Dort kannst du die Pferde kennenlernen, an Trainings und Workshops teilnehmen und mit Trainern aus den USA und Kanada arbeiten, die echte Erfahrung mit Wildpferden mitbringen. Auf diesem Weg lernst du nicht einen Mythos kennen, sondern die echten Mustangs.
Es entsteht ein komplettes Trainingsprogramm für Pferde und Menschen und deren gemeinsame Zukunft. Es gibt viel zu lernen, und unsere Ranch wird auch ein Rückzugsort für Menschen mit PTSD und Burnout sein.
Ein besonderer Teil dieser Reise ist auch der Gerês-Nationalpark. Dort leben noch heute Wildpferde – die Garranos, eine alte portugiesische Wildpferde- bzw. Ponyrasse aus dem Norden Portugals. Anders als in den USA werden diese Pferde nicht eingefangen. Die Population reguliert sich natürlich über die Wölfe der Region. Genau so soll es bleiben.
Meine Mustangs stammen ursprünglich von diesen iberischen Pferden ab. Vielleicht berührt mich dieser Ort deshalb so sehr. Es fühlt sich an, als würde ich sie ein Stück weit zurück zu ihren Wurzeln bringen – also nach Hause.
Ich freue mich, von dir zu hören, und wünsche dir echte Erfahrungen weit weg vom Mustang-Makeover-Hype.
Hoofs and Heart Beats
Karin & Landers
Kurzer Denkanstoß: Menschen ersteigern Wildpferde zu Dutzenden auf den BLM-Auktionen, um sie zu vermarkten.
Und ja – wenn du in den USA lebst, ist das eine Sache. Aber wenn du hier in Europa bist, ist das noch einmal eine ganz andere Realität. In meinem nächsten Blog werde ich mehr darüber berichten...
Ich möchte, dass du dir bewusst einen Mustang aus einer Auffangstation kaufst, seine Geschichte kennst und die damit verbundene Verantwortung übernimmst. Mit einem Trainer vor Ort, den du kennst und dem du vertrauen kannst – und der vor allem keine Show ist, sondern dich dabei unterstützt, dein Pferd auf den Flug vorzubereiten.
Oder würdest du hier in Europa einfach irgendein Pferd für 15.000 Euro plus kaufen, um es zu „retten“?
Schreib mir auf : info@ride-the-brand.com
